Das Calanish Tag-Nacht Projekt

Den letzten Tag auf den Hebriden hatte ich mir für einen weiteren (den 10?) Besuch der Calanish Stones reservier. Bei guten Lichtverhältnissen wollte ich ein 24 Stunden Monitoring starten. Als ich gegen 17 Uhr ankam, schien die Sonne, knall blauer Himmel, ein paar ungewöhnliche Raketenwolken, aber kaum Wind. Und weil nur wenige Besucher da waren, konnte ich gleich einen guten Parkplatz mit freiem Blick auf die Steine ergattern, um von dort auf den Sonnenunter- und dann wieder -aufgang zu warten. Dazwischen gab es noch einen schönen Vollmond. Perfekt!

Ein Schaf, Mutter von Zwillingen, hatte den Trick raus, wie man unter dem Zaun durchkriecht und das Gras rund um die Steine beweidet. Leider hat sie nur einem der Twins den Trick verraten. Twin 2 stand heulend auf der anderen Zaunseite. Nach einer halben Stunde war ich kurz davor, die Besitzer via Facebook zu suchen, damit Twin 2 auf der anderen Zaunseite nicht verhungern muss. Informationen in den Lewis und Harris Facebook-Gruppen werden sehr schnell weiter gegeben. Aber dann kroch Mami mitsamt Twin 1 wieder durch den Zaun zurück und alles war gut.

Die Aussicht vom Calanish-Hügel ist in alle Richtungen fantastisch. Unterhalb des Hügels liegt ein schönes Besucherzentrum, in dem Informationen, Kaffee und Kuchen serviert werden…

Nachdem stundenlang kaum ein Mensch bei den Steinen zu sehen gewesen war, fiel gegen Abend eine große Truppe amerikanischer Kreuzfahrttouristen ein. Kreuzfahrttouristen sind irgendwie komisch drauf. Ein junger Dudelsackspieler war bei den Steinen und produzierte mit einer (druidenmäßig gekleideten) Freundin einen youtube Film. Dass die Amis da an diesem mystischen Ort das Glück haben, dass jemand für sie Dudelsack spielt, ließ die völlig kalt! Sie fotografierten lieber ihre Plüschtiere vor den Steinen.

Ich sah meine geplanten Sonnenuntergangfotos schon mit 100 Kreuzfahrttouristen garniert, die durchs Bild rennen. Aber nein, pünktlich zum Sonnenuntergang waren sie wieder weg und es rannten deutlich weniger Besucher um die Steine. Die meisten mit der Absicht, den Sonnenuntergang zu fotografieren.

Mein Plan war es, den Sonnenuntergang in Stopmotion zu filmen. Aber das wurde nichts , es waren immer noch zu viele Leute da, die um die Steine und ins Bild gerannt sind.

Richtung Osten ging der Vollmond auf. Die meisten fotografierten in den Sonnenuntergang, die anderen hatten den aufgehenden Vollmond als interessanteres Objekt entdeckt.

Gegen halb 11 war nicht mehr viel Licht da und ich zog mich ins Auto zurück, um auf die Nacht zu warten…

Eine Stunde später ging es in die nächste Runde. Es war stockdunkel und ich war alleine mit den Steinen und dem Vollmond. Leider war es inzwischen super stürmisch. Ich musste die dicke Jacke anziehen und Pudelmütze aufsetzen. Mein billiges Stativ konnte dem Wind natürlich nicht stand halten und die meisten Langzeitaufnahmen sind verwackelt. Damit ich nicht über die Steine stolper, hatte ich mir eine Stirnlampe aufgeschnallt und entdeckte ganz nebenbei, dass das Licht stark genug war, um die Steine während der Langzeitbelichtung anzustrahlen. Das machte es richtig mysthisch, fast schon außerirdisch.

Die Fotosession war aber wegen der starken Windböen nicht so toll. Die Bilder sind alle stark verwackelt und dann schob der Wind auch noch Wolken vor meinen Vollmond. Damit hatte ich noch weniger Licht und musste noch länger belichten, was die Bilder noch stärker verwackelte. Nach 1,5 Stunden hab ich das Projekt Calanish Stones bei Nacht und Vollmond beendet.

Um 1 Uhr morgens kletterte ich wieder ins Auto, stellte den Wecker auf (vermutliche) Sonnenaufgangszeit und schlief bis halb 7. Da hatte ich das erste Sonnenlicht zwar schon verpasst, aber wahrscheinlich wäre es eh nicht viel mit Sonnenaufgang geworden, der Himmel hatte sich zugezogen. Später fing es an zu regnen. Aber ich drehte trotzdem eine frühmorgendliche Fotorunde um die Steine. Dabei traf ich ein Schaf, das es durch den Zaun zu den Steinen geschafft hatte, und auch zwei frühe Jogger…

Danach machte ich den Abgang, bzw. ich suchte mir einen ruhigen Standort zum weiterschlafen. Mein Parkplatz bei den Calasnishs war direkt neben einem der quietschenden Eingangstore. Da wäre es mit den eintrudelnden Besuchern bald mit Ruhe vorbei gewesen. Nur 2-3 Kilometer gibt es einen ruhigen Platz, den ich schon öfters genutzt habe. Die Schafe dort kennen mich und Rossi schon.

Meine Fähre ging um 21 Uhr. Ich hatte also noch Zeit für etwas Sightseeiing und fuhr noch mal nach Scalpay. Dort entdeckte ich das Kreuzfahrtschiff zu den gestrigen Kreuzfahrttouristen. Es verließ die Hebriden ein paar Stunden vor mir.

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